Fluggäste profitieren von innovativer Technik

Freitag, den 03. Oktober 2008 um 08:43 Uhr

Die Leiblein GmbH hat ein hocheffizientes Spülsystem für Geschirr aus Flugzeugen mitentwickelt – das Unternehmen expandiert weiter.

Der alte Menschheitstraum vom Fliegen lässt sich heutzutage so leicht erfüllen wie nie zuvor. So starteten oder landeten auf deutschen Flughäfen
im Jahr 2006 insgesamt 154,5 Millionen Fluggäste. Bei ihrer Reise über den Wolken erwarten die Passagiere jedoch auch einen besonderen Service. Und was kaum einer weiß: Damit dieser reibungslos funktioniert, damit Millionen Fluggäste mit Mahlzeiten und Getränken versorgt werden können, daran hat auch die Firma Leiblein aus Hardheim ihren Anteil.

Zusammen mit der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs (Catering-Betrieb) und der Firma Hobart aus Offenburg (Spülmaschinen) hat Leiblein ein komplett neues Spülsystem entwickelt, das sich durch eine besonders hohe Effizienz undWirtschaftlichkeit auszeichnet. Die Firma LSG Sky Chefs ist eine hundertprozentige Catering-Tochter der Deutschen Lufthansa AG. Sie ist mit einem Marktanteil von weltweit etwa 30 Prozent der größte Airline-Caterer der Welt. Weltweit beliefert das Unternehmen mehr als 300 Fluggesellschaften mit 418 Millionen Mahlzeiten pro Jahr. Allein in Frankfurtwerden fast 100 000 Mahlzeiten täglich zubereitet.

Um diese gewaltigen Mengen in hoher Qualität möglichst kostengünstig liefern zu können, bedarf es einer ausgeklügelten Technik und Organisation. Ein Teil dieser aufwändigen Logistikkette ist das Spülen des zurückkommenden Geschirrs aus den Flugzeugen. Eine normale Haushaltsspülmaschine kann hier natürlich kaum eine geeignete Lösung darstellen. Tatsächlich werden über 14 Meter lange Bandspülmaschinen verwendet, die rund um die Uhr betrieben werden

Wasserverbrauch wurde halbiert

Bisher kamen Spülmaschinen zum Einsatz, die jeweils nur für eine Art von Geschirr geeignet waren, z. B. nur für Gläser, nur für Besteck oder nur für Porzellan. Dies bedingte einen hohen Aufwand an Vorsortierung und Fördertechnik. Des Weiteren war durch die sehr aufwändige Technik ein hoher Wartungs- und Reinigungsaufwand erforderlich. Um diese Nachteile zu beheben, entwickelten die drei beteiligten Firmen LSG Sky Chefs (Catering), Hobart (Spülmaschinen) und Leiblein (Wasseraufbereitung) ein komplett neues Spülsystem.

Wasseraufbereitungsanlage am Flughafen

Ziele der Neuentwicklung waren insbesondere Effizienzerhöhung beim Spülprozess, Minimierung der Stillstandszeiten (Wartung, Reinigung, Reparaturen) und Einsparung von Energie, Wasser und Chemie Um diese Ziele umzusetzen, wurde eine innovative Idee verwirklicht: Spültechnik und Wasseraufbereitung wurden getrennt. Die eigentlichen Spülmaschinen stehen in der Spülküche, die Wasseraufbereitung im Keller. Alle Arten von Geschirr werden auf ein Band gelegt, lediglich Fremdstoffe wie Speisereste und Verpackungen werden entfernt. Das Spülwasser fließt, getrennt nach Waschzonen, nach unten zur Wasseraufbereitung. Hier werden die Schmutzstoffe abgetrennt und das Wasser in Tanks aufgefangen. Schließlich wird es wieder nach oben auf die Spülarme gepumpt. Am Ende wird das Geschirr mit vollentsalztem Wasser nachgespült und getrocknet. Durch die auf das Wesentliche reduzierte Spültechnik beschränkt sich die Reinigung der Spülmaschinen auf wenige Minuten nach der Schicht. An die Wasseraufbereitungsanlage können maximal drei Spülmaschinen angeschlossen werden. Die Anlage ist komplett in Edelstahl ausgeführt. Bei der Konzeption wurde darauf geachtet, die größtmögliche Anlagenverfügbarkeit zu gewährleisten. Dies ist auch notwendig, da die Anlagen meist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr betrieben werden. Einzig während der Pausen für das Bedienpersonal werden die Maschinen ausgeschaltet. Weitere Vorteile sind der um durchschnittlich auf die Hälfte reduzierte Wasserverbrauch und die erheblichen Einsparungen an Energie und Reinigungsmitteln.

Zusätzlich wurde die Reinigungsqualität, im Gegensatz zu den bisherigen Verfahren, erheblich gesteigert. Bisher wurden schon mehrere Anlagen in verschiedenen europäischen Flughäfen installiert, weitere sind in Planung,darunter auch eine in Indien. Die Wasseraufbereitungsanlagen werden komplett in Hardheim hergestellt.

Bislang wurde die Firma Leiblein insbesondere mit ihrer bekanntesten Entwicklung, dem „Schrägklärer”, in Verbindung gebracht. Die Angebotspalette ist jedoch um einiges umfangreicher. So werden in Hardheim Geräte und Anlagen zur Prozess- und Abwasseraufbereitung entwickelt und gefertigt. Bei fast jeder Kundenanfrage müssen dabei individuelle Lösungen erarbeitet werden.

Im Frühjahr wurde eine neue, 2500 Quadratmeter große Fertigungshalle errichtet, wodurch die Produktionsfläche des Unternehmens fast verdoppelt wurde. Als der 1953 gegründete Familienbetrieb im Jahr 1992 vom Klingenweg ins Industriegebiet Tiefer Weg umzog, zählte er acht Beschäftigte. Heute hat die Leiblein GmbH etwa 60 Mitarbeiter. Dies zeigt eindrucksvoll, dass auch in unserer Region Betriebe wachsen und neue Arbeitsplätze schaffen können, ohne die Produktion ins Ausland zu verlagern.

(Rhein-Neckar-Zeitung, 02.10.2008)

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